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Pressespiegel:

11. Januar 2010

Essen mit dem Bürgermeister

Der Kölner Stadtanzeiger beschäftigt sich mit den Hausbesuchen des Weilerswister Bürgermeisters
Ganz anders als bei Benjamin Blümchen

„Stadt-Anzeiger“-Redakteurin Heike Nickel hatte Bürgermeister Peter Schlösser zum Abendessen eingeladen. Während der Mahlzeit erläuterte der Verwaltungschef unter anderem verständlich die Niederschlagswassergebühr.

Weilerswist-Klein-Vernich - Vielleicht habe ich gegen alle Regeln des guten Anstands verstoßen. Ich habe weder eine Tischdecke aufgelegt noch das Besteck poliert, habe anstatt Servietten nur Küchentücher auf der Rolle aufgeboten, und aufgeräumt wurde vorher auch nicht in gesondertem Maße. Anstatt eines durchdachten Menüs gab es das, was wochentags bei uns häufig auf den Tisch kommt: profane Nudeln mit Tomatensauce.

Als der erste Bürger der Gemeinde, Peter Schlösser, kurz nach 18 Uhr dann an unserem Abendbrottisch Platz nahm, hatte ich nicht den Eindruck, gegen gute Sitten verstoßen zu haben - und überhaupt wollte ich dem neuen Bürgermeister unseren Klein-Vernicher Alltag in einem Vier-Mädel-Haushalt auch authentisch präsentieren. Authentisch - ja, das wurde der Abend, denn weder unser Gast noch wir Gastgeber mussten uns verstellen oder gar mühsam eine Konversation am Laufen halten.

Viel Gesprächsstoff

Die Backen voller Makkaroni hatten wir uns eine Menge zu erzählen - von den Schwierigkeiten, leere Kassen zu verwalten, von kreativer Problemlösungstaktik und hemmender Bürokratie, von der Vorliebe für ausgefallene Architektur und nicht mehr lesbaren Straßenschildern in Vernich bis hin zum Regen-Radar des Erftverbandes.

Irgendwann verließ meine Tochter gelangweilt den Tisch, zu sachlich wurde das Gespräch, und überhaupt entsprach Peter Schlösser nun so gar nicht ihren Vorstellungen eines Bürgermeisters. Die nämlich sind geprägt durch jahrelangen Genuss von Benjamin-Blümchen-Geschichten, in denen der Bürgermeister stets als korrupter und durch und durch dilettantischer Zeitgeist auftritt. Und da ich - in den Augen meiner Tochter - durchaus dem Vergleich mit der rasenden Reporterin Karla Kolumna standhalten kann, erwartete sie dies selbstredend auch vom Bürgermeister.

Die Enttäuschung war nicht meinerseits. Und so nutzte ich die zwanglose Begegnung, als Anwohnerin einer privaten Rennstrecke die längst überfällige Verkehrsberuhigung anzuregen, und ließ mir vom Bürgermeister persönlich (und zwar verständlich und nicht in krudem Beamtendeutsch) erklären, wie es um die Gerechtigkeit der Niederschlagswassergebühr steht, die uns Weilerswistern ins Haus steht. Ein Nachbar und Kollege, der mit am Tisch saß, tat es mir nach, und man hatte den Anschein, als ob die kleineren und größeren Wehwehchen Bürgermeister Schlösser tatsächlich interessieren - und es ihm keineswegs nur darum geht, sich den Bauch vollzuschlagen, wie manch einer hinter vorgehaltener Hand munkelt.

Kein Nachschlag

Satt geworden dürfte er sein, der Herr Bürgermeister, einen Nachschlag hat er nicht verlangt, jedoch Salat - so viel ist sicher - gehört nicht zu seinen Leibspeisen. Trotzdem war das Treffen eine sehr angenehme Erfahrung und lässt sich unter „gelebter Bürgernähe“ abheften, die in den letzten Jahren doch von vielen Weilerswistern schmerzlich vermisst wurde.

Mit Bürgern in Kontakt kommen

Die Aktion, sich von den Bürgern der Gemeinde Weilerswist zum Essen einladen zu lassen, entstand Ende letzten Jahres, als Peter Schlösser zu Gast bei Freunden war. „Es ist in erster Linie eine unkonventionelle Art, mit Bürgern in Kontakt zu kommen, und zwar so, wie es sonst wohl nie passieren würde. Ein Essen bietet einen guten Rahmen, mit mir über Wünsche, Anregungen und Sorgen zu sprechen“, so der Bürgermeister. Außerdem komme er aufgrund seiner Arbeit kaum mehr dazu, sich selber etwas Leckeres zu kochen, so der verwitwete Verwaltungschef.

Bislang haben rund 20 Einwohner der Gemeinde die Chance genutzt und Peter Schlösser zum Essen eingeladen. Hohe Erwartungen hat der Verwaltungschef nicht, er isst alles, am liebsten Hausmannskost. Für jede Einladung spendet der Bürgermeister 15 Euro an die Weilerswister Tafel, so dass die Aktion auch noch einem guten Zweck dient.

Wer Peter Schlösser einladen möchte, kann unter 0 22 54/9 60 01 04 Kontakt mit ihm aufnehmen. (hn)

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