Meldung:
Euskirchen, 11. Mai 2005
Steinbrück begeistert mehr als 250 Gäste im City-Forum
" Wir wollen die Zukunft gewinnen, ohne das Herz zu verlieren", so Ministerpräsident Peer Steinbrück auf der Wahlkampfveranstaltung des SPD-Landtagskandidaten Andreas Schulte im City-Forum Euskirchen.
Lesen sie, wie die Kölnische Rundschau die Veranstaltung gesehen hat:
EUSKIRCHEN. Da hatten die Kreis-Genossen offenbar mit weniger Zuspruch gerechnet. Als gestern Ministerpräsident Peer Steinbrück zum Wahlkampf ins Euskirchener City Forum kam, waren 150 Plätze vorbereitet. Schnell mussten etwa weitere 100 Stühle aufgestellt werden.
Und die Besucher bekamen etwas geboten - eine gut durchdachte Medien-Inszenierung mit dem Landesvater im Mittelpunkt beim gemütlichen Talk im roten Sofa („Ich habe meine Frau in Hollerath in der Eifel kennen gelernt“; „Ich gehe auch selber noch einkaufen“), in einem Werbefilm für NRW und die SPD und in einer Rede, in der Steinbrück seinem selbst aufgebauten Image als der „Klare aus dem Norden“ mehr als gerecht wurde. Die Themen:
NATIONALPARK
„Das ist ein absoluter Erfolg“, findet Steinbrück, „und ein Verdienst der rot-grünen Landesregierung.“ Er sei nicht nur ökologisch wertvoll, sondern sorge auch für eine „spürbare Aufbruchstimmung“ im Tourismus. Das Problem mit der „Adolf-Nazi-Ordensburg“ müsse noch mit dem Bund gelöst werden.
FINANZEN
„Wir haben die Kommunen in Nordrhein-Westfalen fair behandelt“, sagte Steinbrück in einer Pressekonferenz vor dem Auftritt, obwohl auch der Landeshaushalt „an der Wand steht“.
INGO WOLF
Viel sagte Steinbrück nicht zum FDP-Spitzenkandidaten aus Euskirchen - nur so viel: „Das ist doch der berühmte Oberkreisdirektor. Haben Sie den schon mal im Landtag reden gehört. Nein? Da haben Sie aber Glück gehabt.“
ARBEITSLOSE
Politiker könnten direkt keine Arbeitsplätze schaffen - auch nicht ein Ministerpräsident, so der Amtsinhaber: „Ich werde mich aber weiterhin um Betriebe kümmern, die in schweres Fahrwasser geraten sind.“
KAPITALISMUS
Die von SPD-Parteichef Franz Müntefering angezettelte Diskussion sei „in weiten Teilen nicht falsch“, erinnerte Steinbrück an Vorstandsvorsitzende, die mit Victory-Zeichen auftrumpften, stolz verkündeten, kaum noch Steuern zu zahlen, aber ihre Produkte über gut ausbebaute Straßen transportieren wollten.
WIRTSCHAFT
Die SPD sei den Unternehmen sehr entgegen gekommen. „Die Unternehmenssteuer ist heute geringer als zu Zeiten Helmut Kohls und des ehemaligen Zukunftsministers und meinem heutigen Herausforderers", sprach Steinbrück bei der Gelegenheit auch Jürgen Rüttgers (CDU) indirekt an. Da nerve es ihn schon, dass das „Genöle“ aus den Wirtschaftsverbänden immer weiter gehe: „Da kann man schon mal Pickel kriegen.“
BÜROKRATIE
Es habe sich in Deutschland eingebürgert, dass für jedes Problem ein Gesetz oder zumindest eine Gesetzesänderung verlangt werde:
„Wenn des Nachbars Hund einen Furz lässt, verlangt bald noch einer, dass das Bundesimissionsschutzgesetz geändert wird.“
BILDUNG
In der Ganztagsbetreuung von Kindern und Jugendlichen habe die SPD-geführte Landesregierung schon viel getan - müsse aber noch viel tun: Bis 2007 sollen 200 000 Ganztagskindergartenplätze und bis 2008 / 9 90 000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige geschaffen werden.
Dies solle auch der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen - ein Thema, das in Teilen der CDU immer noch keins sei: Wenn man eben meine, „dass die Frau an den Herd gehört, muss man da ja auch nichts tun.“ Studiengebühren fürs Erststudium werde es mit ihm nicht geben. Bildungschancen dürften nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.
SPD-CHANCEN
Die nicht günstigen Umfrageergebnisse für die SPD bereiteten ihm kein Kopfzerbrechen. Die Wahl werde in den letzten Tagen entschieden, weil noch 30 bis 35 Prozent der Wähler unentschieden seien. SPD-Sympathisanten, die die SPD dieses Mal wegen Hartz IV mit „Liebesentzug“ strafen wollten, rief Steinbrück zu: „Wenn Sie so schlau sind, dass Sie nicht wählen, kann es sein, dass Sie von denen regiert werden, die dümmer sind als Sie.“
(KR)




